Beat ohne Ekstase

Auf dem Plakat, das das erste Oldesloer Beat-Festival ankündigte, standen die Namen der teilnehmenden Bands. Da parodierten die Rag-Tags, die Burglars, die Loosers, die Jets usw., zu deutsch: das Lumpenpack, die Einbrecher, die Liederlichen, die Stahlrohre usw. Sie sollten den Sound, also den Klang der großen, weiten Welt, in die Ohren der Teenager zwischen Hamburg und Lübeck transponieren. Sie, oder wer an ihrer Stelle auftrat, betätigen zu diesem Zweck Schlagzeug, Solo-Gitarre, Rhythmus-Gitarre und Baß mit Verstärkergerät. Zuweilen trat eines der Bandmitglieder vor das Mikrofon, um das geräuschvolle Teamwork “durch Hervorbringung kehliger, röhrender Urlaute abzurunden“.

Wenn der Musiker den Geigenbogen mit dem Preßlufthammer vertauscht, darf man keine Kleine Nachtmusik erwarten, und das taten dann auch die Festival-Besucher, weitaus mehr Jungen als Mädchen, keineswegs. Sie konsumierten lässig den schlagenden, stampfenden, dröhnenden Rhythmus, indem sie entweder der Band gleichmütig in den Stuhlreihen vor der Bühne zuhörten oder sich pärchenweise fast tanzstundengesittet in der Saalmitte drehten. Nur gelegentlich markierten die Zuhören den Takt mit Händen oder Füßen. Von hemmungslosen Gefühlsausbrüchen keine Spur, kein Kreischen, keine Ekstase, keine Exzesse. Niemand bestieg Stühle oder Tische, niemand fing an zu toben. Läßt man den Krach beiseite, war es friedlich wie bei Omas Kaffeekränzchen. Der Beifall des jugendlichen Publikums für die siegreiche Band kam nicht annähernd an die Phon-Meß Zahl heran, die diese selbst mit ihrer Produktion erreicht hatte.

Jets und Loosers im Fernsehen und auf Platte

„Ruhe – Aufnahme! Band läuft, klingt die Stimme des Toningenieurs durch die Lautsprecher in dem Aufnahmeraum des Studios in der Hamburger Osterstraße. Er senkt die Hand hinter der dicken Glaswand und die Amateur Beat Musiker im Studio legen los. Sie bearbeiten fleißig ihre Instrumente und kommen bald ins Schwitzen. Der letzte Ton ist kaum verklungen, ein Knacken im Lautsprecher, da klagt der Tonmeister: „Kinder, nicht so hart, weich müßt ihr kommen. Noch einmal von vorne!“

Die Mitglieder der Band stöhnen. Sie hatten sich die Aufnahmen für eine Schallplatte leichter vorgestellt. Für die Jungen ist dieses Geschäft noch neu. Sie stehen zum ersten Mal vor dem Aufnahmemikrophon. Warum wir über sie berichten, die Band ist euch nicht unbekannt, sie nennt sich „The Jets“.

…..

Gemeinsam mit Ihnen von der Schallplattenfirma ins Studio eingeladen waren „The Loosers“. Diese Band, die erst seit einem Jahr zusammenspielt, brachte ebenfalls eigene Titel mit. Sie nennt die Titel „Understand“ (Verstehen) und „Sensitive“ (Empfindsam). Diese Titel sind das Gemeinschaftswerk von Wilfried Scheibe, Roland Arndt und Manfred Jestel.

Die Loosers sind fünf Schüler und zwar:

  • Roland Arndt (16 Jahre) an der Sologitarre
  • Thomas Kritsch (15 Jahre) am Schlagzeug
  • Manfred Jestel (14 Jahre) an der Rhythmusgitarre
  • Karl Heinz Carstens (16 Jahre) an der Baßgitarre
  • Wilfried Scheibe (16 Jahre), er sorgt für den Gesang und greift hin und wieder zur Mundharmonika

Die Oldesloer sind noch sehr jung und haben größere, vor allem finanzielle Schwierigkeiten als ihre Trittauer Freunde. Ihnen fehlt der Vater, der ihnen einen stattlichen Betrag vorschießen könnte. Sie müssen sich für jeden Auftritt, für jedes Üben die Instrumente zusammenborgen. Wenn das nicht klappt, dann können die Loosers (die Verlorenen) eben nicht auftreten.

Während die Jets ihre Haarpracht in den Grenzen des allgemeinÜblichen halten, eifern die Loosers ihren Vorbildern, den Beatles und den Rolling Stones, auch in der Haarpracht nach. Wie sie selbst sagen, haben sich ihre Eltern und die Lehrer erst langsam an den Anblick gewöhnen müssen. Obwohl die fünf Schüler nebenbei mit verschiedenen kleinen Arbeiten ein wenig Geld verdienen, wird es sicher noch lange dauern, bis sie sich eigene, auch gebrauchte, Instrumente kaufen können.

Demnächst werden die beiden Bands vom Flughafen Fuhlsbüttel aus zu einem Gastspiel im finnischen Fernsehen starten. Dort müssen sie die Stücke auf Band spielen und in der folgenden Livesendung kommt dann eine neue Schwierigkeit auf sie zu: Play Back. Fast wie Profis meinen die Jungen: „Das werden wir sicher hinkriegen!

Auszug aus einem Artikel im Stormarner Tageblatt vom 14.10.1966


Neun Bands und 150 Minuten Beat Trommelfeuer

  1. Stormarn Beat-Battle in Ahrensburg. Neun Bands kämpften vor 600 Zuhörern in der Festhalle der Realschule. Es waren durchaus nicht nur Teenager gekommen, man sah auch „Omas“.

Der Ortsjugendring und die Stadtjugendpflege hatten eingeladen und viele, viele kamen. Was die Bands boten, war teilweise mehr laut als schön, doch gerade deshalb hoben sich die Ahrensburger „The Sindicate“ und die Trittauer „The Curls“ vorteilhaft ab.

Zu Beginn der Veranstaltung hatten die Oldesloer „The Loosers“ die Besucher angeheizt.

Stormarner Tageblatt vom 4.3.1968